Der Medienbote - Vor 20 Jahren | 27.09.2006 | #020
Shownotes
Die große Mozart-Zensur in Berlin Noch schreiben wir das Mozart-Jahr. In Salzburg konnten wir weltweit erstmalig die Aufführungen aller 22 Singspiele und Opern des Genies kompakt erleben. In vielen Opern von Mozart stecken große Gedanken zur Aufklärung, zu den Weltreligionen, zur Mystik und zum Humanismus. Worte und Gedanken, Charaktere auf der Suche nach Freiheit, Selbstbestimmung und Würde. Jetzt am Ende des Mozart-Jahrs zensiert sich die Deutsche Oper in Berlin selbst und zelebriert vorauseilenden Gehorsam vor dem Gespenst des theokratischen Islamismus und setzt die Mozart-Oper „Idomeneo“ am 4. November vom Spielplan ab. Warum dieser Wahnsinn? Nur weil in der am 4. November vorgesehenen Inszenierung von Hans Neuenfels am Ende die abgeschlagenen Köpfe der Religionsstifter Buddha, Jesus und Mohammed zu sehen sind? Ja, wegen dieser Szene. Gab es Drohungen gegen die Deutsche Oper? Nein. Gab es den Rat der Sicherheitsbehörden an die Intendanz, die Aufführung abzusetzen? Nein. Zuletzt wurde im Mai 2004 diese Inszenierung der Oper von Neuenfels gespielt und Kritik gab es wie immer bei einer profilierten Inszenierung. Eine Oper ohne Kritik ist wie ein BMW ohne Ledersitze. Schon Mozart war einem Feuerwerk aus echter Kritik, Intrige und Neid ausgesetzt. Das ist dem Kunstbetrieb inhärent. Auch empörte Buhrufe sind das Salz in der Suppe. Und wenn Religionsgemeinschaften sich über Theaterstücke, Romane, Bilder und Ausstellungen aufregen, ist das Teil der größten Freiheit, die wir haben. Was wird jetzt am 4. November in der Deutschen Oper gezeigt? „Die Hochzeit des Figaro“. Wann zensieren sich 3sat oder ARTE?
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Disclaimer: Dieser Podcast erhielt bei der Thumbnail- und Jingle-Gestaltung bzw. bei der Sound-Optimierung Unterstützung durch KI. Bernt von zur Mühlen und Jörg Wagner sind echt.
Produktion: Jörg Wagner Post: post [ätt] medienhoelle [pünktchen] de
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