Der Medienbote - Vor 20 Jahren | 29.09.2006 | #022
Shownotes
Wir sind Konfuzius Während die Goethe-Institute weltweit aus Kostengründen sich selbst auf den Prüfstand stellen und einige Schließungen vornehmen, gründet China unaufgeregt, aber stetig überall so genannte „Konfuzius- Institute“. Der Zeitgenosse des Pythagoras (ca. 580-500 v. Chr.) starb ungefähr 50 Jahre vor Platon (428 v. Chr.) und etwa 100 Jahre vor der Geburt von Aristoteles. Über den chinesischen Groß-Lehrmeister weiß man biografisch nichts Genaues. Man geht davon aus, dass er 551 vor Christus geboren wurde, in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs und kleinere Verwaltungsposten im Staat als Aufseher über Getreidespeicher und Weiden innehatte. Vieles ist Legende. So soll er Laotse getroffen haben und als erfolgloser Mahner und Lehrer soll er 479 vor Christus gestorben sein. Zweifelfrei ist seine Leistung, eine große Denkschule etabliert zu haben. In dem von seinen Schülern wiedergegebenen Hauptwerk Lun-yu („Gespräche“) sind die großen Gedanken des Erziehers nachzulesen. Das offizielle China hat den von Mao verachteten und mit Leseverbot belegten Konfuzius wieder entdeckt. Alt-Kanzler Helmut Schmidt ist so hingerissen vom Meister, dass er in seinem neuen Buch „Nachbar China“ ganze 26 Seiten der konfuzianischen Tradition widmet, und im ARD-Programm Beckmann den „Chinakenner aus Leidenschaft“, so der Text im Buchdeckel, fragt, ob er nicht inzwischen Konfuzianer geworden sei. Schmidt antwortet „jein“ und lässt Beckmann ausschweifend an der Konfuzianismus- Euphorie teilhaben. Die staatlich kontrollierte Nachrichtenagentur Chinas, Xinhua, setzt jetzt die Meldung in die Welt, es gebe 1,5 Millionen Nachkommen des Philosophen. Genau aufgelistet, einschließlich der weiblichen Nachfahren, die früher nicht so viel taugten. Wie die Chinesen auf diesen Stammbaum kommen bei der unklaren Ausgangslage der Fakten, wird ihr Geheimnis bleiben. Aber im Sinne einer wandelbaren Staatsräson zu schönen und zu fälschen hat eine lange Tradition im Reich der Mitte. Mode wird es auf alle Fälle werden im Party-Talk, nachdem wir schon alle Buddhisten waren, jetzt Konfuzianer zu werden.
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Disclaimer: Dieser Podcast erhielt bei der Thumbnail- und Jingle-Gestaltung bzw. bei der Sound-Optimierung Unterstützung durch KI. Bernt von zur Mühlen und Jörg Wagner sind echt.
Produktion: Jörg Wagner Post: post [ätt] medienhoelle [pünktchen] de
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