Der Medienbote - Vor 20 Jahren | 08.09.2006 | #007

Shownotes

Vermarktung des Martyriums Es ist eine treffliche Fragestellung für Journalismus-Seminare, ob Tom Buhrow gut beraten war, die „Tagesthemen“ mit der Nachricht über das im ORF gesendete Interview mit dem Entführungsopfer Natascha Kampusch aufzumachen, oder nicht. Denn Ausschnitte aus dem Interview konnte er nicht zeigen, also degenerierte der Beitrag zu einem Bericht über den Interview-Hype. Und das ist keine Meldung wert. Der in solchen Entführungsthemen übliche Psychotherapeut, der das Interview mit Natascha Kampusch gesehen hatte, stellte verwundert fest, dass Natascha trotz der jahrelangen Isolation im Kellerloch eloquent und gebildet sei; vielleicht sei das vom Entführer dem Opfer überlassene Radio ein Grund für ihre Bildung. Also wenn schon nichts mehr intim oder persönlich bleiben darf in diesem Martyriums-Hype, dann ran an die Frage, wie man trotz Isolation gebildet sein kann. Friedrich II (1194-1250), König von Rom und Kaiser in Sizilien, ließ Kleinkinder in Käfige und Tonnen stecken, um dann zu forschen, wie sich die Person ohne Ansprache und Erziehung entwickelt. Der moderne globale Boulevard- Journalismus will nicht forschen, sondern den Käfig-Mensch Natascha im Fernsehen zeigen, damit wir uns gruseln und frösteln. Da Natascha dem Ganzen selbst zugestimmt hat, dürfen wir uns gruseln, ohne ein böses Medienhaus zu verdammen. Das Geld für die Vermarktung ihres Martyriums reicht, um Schule, Studium etc. nachzuholen. Wir hatten ein geängstigtes Wesen aus dem Käfig erwartet und wir haben eine eloquente Plaudertasche bekommen. Alles ist durcheinander

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00:00:00: Vermarktung des Martyriums.

00:00:20: Es ist eine treffliche Fragestellung für Journalismusseminare, ob Tombouro gut beraten war die Tagesthemen mit der Nachricht über das im ORF gesendete Interview mit dem Entführungsopfer Natascha Kampusch aufzumachen oder nicht.

00:00:37: Denn Ausschnitte aus dem Interview konnte er nicht zeigen, also degenerierte der Beitrag zu einem Bericht über den Interview-Halb und das ist eigentlich keine Meldung wert!

00:00:48: Der in solchen Entführungsthemen übliche Psychotherapeut, der das Interview mit Nataschar Kampusch gesehen hatte stellte verwundert fest dass Trotz der jahrelangen Isolation im Kellerloch eloquent und gebildet sei, vielleicht sei das vom Entführer dem Opfer überlassene Radio ein Grund für ihre Bildung.

00:01:08: Also wenn schon nichts mehr intim oder persönlich bleiben darf in diesem Martyriums Hype dann ranne die Frage wie man trotz Isolations gebildete sein kann?

00:01:18: Friedrich II erlebte von elfhundert vier neunzig bis zwölfhundert fünfzig.

00:01:24: König von Rom und Kaiser in Sizilien ließ Kleinkinder in Käfig und Tonnen stecken, um dann zu forschen wie sich die Person ohne Ansprache und Erziehung entwickelt.

00:01:36: Der moderne globale Boulevardjournalismus will nicht forschen sondern den Käfig-Mensch Natascha im Fernsehen zeigen damit wir uns gruseln und frösteln.

00:01:45: Da Natacha dem Ganzen selbst zugestimmt hat dürfen wir uns grouseln ohne ein böses Medienhaus zu verdammen Das Geld für die Vermarktung ihres Materiums reicht, um Schule, Studium und so weiter nachzuholen.

00:01:59: Wir hatten ein geängstigtes Wesen aus dem Käfig erwartet und wir haben eine eloquente Plaudertasche bekommen – alles ist durcheinander!

00:02:08: Schalten Sie wieder ein

00:02:10: wenn es heißt... ... der Medienbote

00:02:13: vor zwanzig Jahren.

00:02:16: Die nächste Ausgabe vom elften September.

00:02:19: zwei tausend sechs

00:02:21: Medientagebuch von Bernd von Zulülen.

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